Ich sitze hier, an einem Sonntagmorgen und denke nach, über die vergangenen Stunden.
Es fängt mit Gestern an, dem Samstag. Eigentlich ein gewöhnlicher Tag wie jeder andere auch. Doch er ist anders. Meine Gefühle sind anders, sie haben sich verändert.
Marcel und Ich sind, nachdem wir nochmal mit Bella und Shorty, unseren zwei kleinen Chihuahuas draußen waren, ins Schwimmbad gefahren. Wir stiegen in den Bus. Wir fahren oft mit dem Bus und deswegen kennen uns die Fahrer auch. Zum ersten Mal, hatte mich die Busfahrerin angesprochen. Wann ist es denn soweit, ist das Baby noch nicht da? Ich blieb stumm. Marcel antwortete, im September ist es soweit!
Daraufhin die Fahrerin: Da bin ich ja mal gespannt, bestimmt süß. Ich schluckte. Wir haben beschlossen es nicht jeden auf die Nase zu binden, was los ist, mit unserer Maus. Das wollen wir auch garnicht! Es würden nur Fragen über Fragen kommen...und im Moment hätte ich dafür keine Kraft sie zu beantworten.
Die Busfahrt über konnte ich nichts, außer zu grübeln. Danach stiegen wir um, in den Zug und auch da war ich nur am nachdenken.
Als wir endlich da waren platzte es regelrecht aus mir heraus und es war gut so. Ich sagte zu Marcel, dass ich mich irgendwie sehr mies fühle wegen Mila. Er fragte wieso und warum. Aber ich fand anfangs nicht die richtigen Worte..ich sagte nur, ach egal, ist nicht so wichtig. Doch er nahm das nicht so hin, er hackte nach, weil er mich kennt und weil er weiß, dass ich sowas nicht einfach so sage.
Ich sagte, ich fühle mich so, als würde ich nicht alles für Mila tun und fühle mich schuldig, am Ende, mit dem Gewissen zu leben, ich habe nicht alles versucht und getan-für sie, für unsere Kleine.
Er sagte mir, dass er auch schon darüber nachgedacht habe und ob ich damit meine, dass wir nicht alles versuchen, dass sie doch leben kann und wir sie nicht einfach aufgeben-kampflos dem Tod überlassen.
Genau das meinte ich. Er spricht mir aus der Seele und das tut so gut. Er versteht mich einfach ohne Worte. Ich muss nicht viel sagen und er weiß sofort was ich meine. Er ist mein Seelenverwandter, mein Ehemann und mein bester Freund zugleich. Es tut gut, ihn zu haben. Ich liebe ihn!
Wir sprachen darüber, was wir tun sollen... wir haben uns versprochen nicht aufzugeben, abzuwarten was Mila kann, wenn sie da ist. Und wenn es Hoffnung gibt, werden wir alles dafür tun, dass sie lebt!
Es geht nur darum, wenn sie Reflexe zeigt oder in einem guten Zustand ist, dann wollen wir um sie kämpfen. Wenn es ihr nicht gut geht, dann werden wir alles tun, um sie nicht leiden zu lassen. Das haben wir uns geschworen!
Das heißt abwarten...auf die Geburt....die ersten Stunden, ihre ersten Stunden.
Marcel ruft gleich Morgen nochmal den Oberarzt der Frauenklinik an und möchte das mit ihm bereden.
Wenn Mila da ist und die Ärzte Hoffnung sehen würden, auf ein verlängertes Leben, dann werden wir alles dafür tun! Es würde sich sonst irgendwie falsch anfühlen und ich würde mir vorwerfen, nicht alles getan zu haben, dass sie vielleicht doch leben kann!
Auch denke ich viel darüber nach....wie es ist wenn sie nicht mehr da ist. Ob die Leere dann irgendwann gefüllt wird, mit etwas Neuem.
Ich begleite ein Wesen, dass nur in Mir leben kann und muss sie dann sich selbst überlassen-Geboren um zu sterben. Und doch schenke ich ihr, ihr ganz eigenes Leben. Jedes Leben fängt mit der Geburt an, man lebt und dann stirbt man. Das heißt ich schenke ihr, ein ganzes vollendetes Leben-Milas Leben!
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